Energieforschung in Nordrhein-Westfalen

Forschungslandschaft, Fördermaßnahmen und Strategien der Landesregierung

Vorwort Wirtschafts- und Energieminister Prof. Dr. Andreas Pinkwart

© MWIDE NRW/R. Pfeil
Wirtschafts- und Energieminister Prof. Dr. Andreas Pinkwart

Liebe Leserinnen, liebe Leser,

Nordrhein-Westfalen erhöht das Ambitionsniveau bei Energiewende und Klimaschutz. Unmittelbar nach dem Beschluss des neuen Klimaschutzgesetzes auf Bundesebene haben wir als erstes Bundesland die neuen Klimaziele nachvollzogen, unser Klimaschutzgesetz ebenfalls deutlich verschärft – und damit den Pfad bis zur Klimaneutralität 2045 vorgezeichnet. Nächstes Zwischenziel für 2030 ist die Reduktion der Treibhausgase um 65 Prozent im Vergleich zum Referenzjahr 1990.

Zu erreichen sind die ambitionierten Ziele nur durch eine grundlegende und klimafreundliche Transformation nahezu aller Lebensbereiche: Wie wir Wirtschaft und Haushalte mit Energie versorgen, wie wir Produktion und Konsum gestalten und wie wir von A nach B gelangen – all dies unterliegt der Veränderung. Um diese weitreichende Transformation erfolgreich und unter Nutzung der damit verbundenen wirtschaftlichen Chancen zu gestalten, kommt es jetzt darauf an, noch stärker und noch schneller in der Umsetzung entsprechender Maßnahmen zu werden.

Der Weg in die Umsetzung muss kürzer, der Anfangspunkt der Handlungskette gestärkt werden. Diesen Anfangspunkt bilden die Forschung und die Entwicklung von Technologien, die für eine erfolgreiche Energiewende entscheidend sind. Als Landesregierung haben wir im Bereich der Energieforschung erhebliche Investitionen vorgenommen: mehr als 56 Millionen Euro zwischen 2014 und 2020 allein für die Forschung zu erneuerbaren Energien. Über 226 Millionen Euro waren es für die Energieforschung insgesamt.

Zahlreiche Forschungsprojekte, die mit ihren Erkenntnissen und Technologien zum Erfolg der Energiewende beitragen, konnten so realisiert werden – etwa in den Bereichen moderne Stromnetze, klimafreundliche Industrieprozesse oder Elektromobilität. 

 

Exzellenz und Vielfalt der Energieforschung in Nordrhein-Westfalen sind der beste Ausgangspunkt für die Energiewelt von morgen, die wir mit Investitionen und Innovationen gestalten.

Auch verhältnismäßig junge Felder wie die Kohlenstoffwirtschaft finden unsere Unterstützung, um zukünftige Innovationen zu stärken. Die neue Landesgesellschaft NRW.Energy4Climate wird, auch durch den Einsatz nationaler und europäischer Förderprogramme, den breiten Rollout von Klimaschutzlösungen voranbringen und so Transfer und Umsetzung in der Praxis befördern.

Mit dem Energieforschungsbericht 2021 nehmen wir Sie mit in die Welt der nordrhein-westfälischen Energieforschung, die mit ihren innovativen, ambitionierten und umsetzungsnahen Projekten die Transformation der klimarelevanten Sektoren vorbereiten soll. Gleichzeitig stellen wir Ihnen motivierte Expertinnen und Experten vor, die stellvertretend für viele weitere stehen und die zukunftsweisende Projekte für die Transformation im Land voranbringen.

Bei der im Rahmen dieser Lektüre möglichen Erkundung und mehr noch für die praktische Gestaltung der Energiewelt von morgen wünsche ich Inspiration und Erfolg.

Professor Dr. Andreas Pinkwart

Forschungslandschaft: von A bis Ω

Alpha und Omega sind der erste und der letzte Buchstabe im klassischen griechischen Alphabet. Symbolisch stehen sie für den Anfang und das Ende; und im weiteren Sinne für das Umfassende.

Bedeutet „Forschungslandschaft: von A bis Ω“ also, dass die nordrhein-westfälische Energieforschung allumfassend aufgestellt ist? Diese Aussage wäre vermutlich vermessen – dennoch ist der Vergleich naheliegend: In mehr als 30 renommierten Hochschulen und über 20 exzellenten außeruniversitären Forschungseinrichtungen wird in Nordrhein-Westfalen zu den zentralen Fragen des Energiesystems geforscht. Mit Aachen, dem Forschungszentrum Jülich, der Jülich Aachen Research Alliance (JARA) und den Universitäten im Ruhrgebiet verfügt Nordrhein-Westfalen gar über die größte Dichte an Forschungseinrichtungen in ganz Europa. Und dabei gehen die nordrhein-westfälischen Forschungsaktivitäten auch über diese konzentrierte Region hinaus und finden genauso in den Randgebieten des Landes statt. Von A bis Ω ließe sich in diesem Sinne also lesen als: von A wie Aachen bis Ω wie Ostwestfalen-Lippe. Aber auch inhaltlich wird die gesamte Palette der Energieforschung von A bis Ω abgedeckt. Denn sie ist in ihrer Gesamtheit der Schlüssel zu einem realen und erfolgreichen Energiesystem der Zukunft – für die gar nicht allzu ferne Zukunft.

von Antriebstechnologie bis Onshore-Windenergie

von Aachen bis Ostwestfalen-Lippe

© MWIDE NRW/M. Kusch
Aufbau einer Versuchsreihe zur Optimierung von Brennstoffzellen am Zentrum für BrennstoffzellenTechnik (ZBT) in Duisburg.

Exzellenz und Themenvielfalt in Nordrhein-Westfalen

In ihrer Gesamtheit lässt sich die nordrhein-westfälische Forschungslandschaft selbstverständlich nicht auf einer einzelnen Seite beschreiben. Nichtsdestotrotz: Die hier stellvertretend genannten Forschungsstandorte zeigen die Exzellenz und die Vielfalt der Energieforschung im Land eindrucksvoll auf.

Erneuerbare Energien

An Windenergieanlagen forscht beispielsweise das Center for Wind Power Drives (CWD) mit seinem Systemprüfstand für Windenergieanlagen an der Rheinisch-Westfälischen Technischen Hochschule (RWTH) Aachen. Für die Solarenergie ist Jülich einen Hotspot der Forschung: Mit dem neuen Multifokusturm des solarthermischen Kraftwerks des Deutschen Zentrums für Luft- und Raumfahrt (DLR) können nun mehrere solarthermische Experimente parallel stattfinden. Direkt nebenan arbeitet in etwas kleinerem Maßstab der Hochleistungsstrahler Synlight und nur wenige Kilometer entfernt beschäftigen sich Forschende am Institut für Energie und Klimaforschung des Forschungszentrums Jülich (FZJ) mit den Grundlagen und Technologien der Photovoltaik (IEK-5). Auf die Geothermie zum Beispiel zur Wärmeversorgung konzentriert sich die Fraunhofer-Einrichtung für Energieinfrastrukturen und Geothermie (IEG) in Bochum und die Bioenergie wird zum Beispiel im Bioeconomy Science Center (BioSC) und im Innovationscluster Bioenergy des Fraunhofer-Instituts UMSICHT in Oberhausen vorangebracht. Auch an Technologien zur Energiegewinnung durch Wasserkraft wird geforscht, zum Beispiel an der RWTH Aachen und der Hochschule Bochum.

Netze und Speicher

Damit die vielerorts erzeugte erneuerbare Energie auch dorthin gelangt, wo sie benötigt wird, braucht es innovative Netze. Daran forschen zum Beispiel die RWTH Aachen mit dem Institut für Elektrische Anlagen und Netze, Digitalisierung und Energiewirtschaft (IAEW), die TU Dortmund mit dem Forschungszentrum für Hochspannungs-Gleichstrom-Übertragung (HGÜ) und dem Institut für Energiesysteme, Energieeffizienz und Energiewirtschaft sowie die Bergische Universität in Wuppertal.

Genauso essenziell wie die Netze sind auch die Speichertechnologien. Sie gewährleisten, dass auch bei wenig Wind und dunklem Himmel ausreichend Energie verfügbar ist. An Wasserstoff und Brennstoffzellen als Speichertechnologie arbeiten beispielsweise das Zentrum für BrennstoffzellenTechnik (ZBT) in Duisburg, das FZJ und die Westfälische Hochschule in Gelsenkirchen. Batterieelektrische Speicherung ist ein Spezialgebiet des Batterieforschungszentrums MEET der Universität Münster, des Helmholtz-Instituts Münster (HI MS), des FZJ und des Instituts für Production Engineering of E-Mobility Components (PEM) der RWTH Aachen, die gemeinsam mit der Fraunhofer-Gesellschaft als Betreiberin die neue Forschungsfertigung Batteriezelle (FFB) in Münster aufbauen. Und auch an thermischen Energiespeichern wird geforscht, zum Beispiel im Solar-Institut Jülich der FH Aachen.

Kraftstoffe

Emissionsarme Kraftstoffe spielen insbesondere für die klimafreundliche Mobilität eine tragende Rolle – vor allem dann, wenn die Antriebe nicht elektrifiziert werden können. Es wird daher auch intensiv an alternativen Kraftstoffen geforscht, zum Beispiel im DLR-Institut für Future Fuels, im Exzellenzcluster The Fuel Science Center und in der Technischen Hochschule Ostwestfalen-Lippe mit der Initiative „Modellregion Postfossile Mobilität“.

Digitalisierung und Energiesystemforschung

Übergreifende Themen sind Digitalisierung und Energiesystemforschung. Der Digitalisierung widmen sich unter anderem das Fraunhofer-Institut für Angewandte Informationstechnik (FIT), der Software Innovation Campus Paderborn (SICP) der Universität Paderborn und das Energiewirtschaftliche Institut (EWI) an der Universität zu Köln. Zum Energiesystem im Gesamtblick forschen beispielsweise das Forschungszentrum Jülich mit den Bereichen Systemforschung und Technologische Entwicklung (IEK-STE) und Techno-ökonomische Systemanalyse (IEK-3) sowie die Ruhr-Universität Bochum mit dem Lehrstuhl für Energiesysteme und Energiewirtschaft.

Transformationsforschung

Transformation und Akzeptanz sind wichtige Forschungsfelder, denn alles ist nichts ohne die Gesellschaft. Um die Transformationsforschung kümmern sich deshalb zum Beispiel das Wuppertal Institut für Klima, Umwelt, Energie mit dem Virtuellen Institut „Transformation – Energiewende NRW“ sowie die Bergische Universität Wuppertal, das Philosophische Seminar an der Universität Münster und die Universität Siegen.

Tempo machen bei Energiewende und Klimaschutz

Strategien und Rahmenbedingungen schaffen

Strategie für die Energiewelt von morgen

Minus 65 Prozent Treibhausgasemissionen bis 2030, minus 88 Prozent bis 2040, Treibhausgasneutralität bis 2045: Als erstes deutsches Bundesland hat Nordrhein-Westfalen Ende Juni 2021 die Klimaschutzziele mit der Novellierung des Klimaschutzgesetzes von 2013 drastisch verschärft – im Einklang mit den neuen Zielen auf EU- und Bundesebene. Die neuen Rahmenbedingungen erfordern es, bei Energiewende und Klimaschutz noch mehr Tempo zu machen. Es gilt, in nahezu allen Lebensbereichen, die Energieversorgung und -nutzung zügig auf Klimaneutralität zu trimmen.

Energiewende und Klimaschutz beschleunigen sich – und mit dieser Beschleunigung kommt der Energieforschung eine nochmals gestiegene Bedeutung zu. Nur durch die Energieforschung können die Innovationen entstehen, die Nordrhein-Westfalen für die Transformation benötigt. Gleichzeitig gilt es, den Transfer aus den Forschungslaboren in die breite Anwendung noch schneller zu gestalten. Nordrhein-Westfalen ist dafür mit seiner hohen Industrie- und Bevölkerungsdichte ein idealer Schauplatz und kann Blaupause für die Transformation auch in anderen Regionen sein. Nordrhein-Westfalen hat sich auf den Weg gemacht, hat wichtige strategische Pflöcke für Energiewende und Klimaschutz eingeschlagen: Zum Beispiel mit seiner Energieversorgungsstrategie oder der Wasserstoff Roadmap. Die Ziele sind ehrgeizig: Bis 2030 soll etwa die Anzahl erneuerbarer Energiequellen verdoppelt, klimaschonende Industrieanlagen installiert und Wasserstofftechnologien vor allem in Industrie und Mobilität breit genutzt werden. Nur mit einer starken Energieforschung sind diese Ziele zuverlässig zu erreichen.

© MWIDE NRW/M. Kusch
Bohr-Teststand der Fraunhofer-Einrichtung für Energieinfrastrukturen und Geothermie (IEG) in Bochum.

Die Energieforschung als strategischer Schlüssel

Die Energieforschung ist in einer Welt der sich beschleunigenden Transformation ein wesentliches strategisches Instrument. Mit einer starken Energieforschung im Rücken können wir dafür sorgen, dass innovative Technologien schnell marktreif und breit eingesetzt werden können. Schnelligkeit zählt, denn die nächsten Investitionsentscheidungen stehen an – etwa für die neue Generation von Öfen in der Stahlindustrie. Diese müssen perspektivisch klimaneutral betrieben werden können. Und die Energieforschung ist der wesentliche „Lieferant“ des dafür erforderlichen Know-hows. Mit der Energieforschung im Rücken können wir dafür sorgen, dass heute Investitionsentscheidungen getroffen werden, die den Grundstein für Klimaneutralität im Jahr 2045 legen.

Integriertes Energiesystem im Fokus

Gleichzeitig ist es heute wesentliche Aufgabe der Energieforschung, das Energiesystem nicht mehr isoliert, sondern im Wechselspiel mit anderen Bereichen zu denken. Der Energiesektor wird in Zukunft immer enger mit dem Mobilitäts- und dem Gebäudesektor verwoben sein – zum Beispiel über Solarmodule, die im besten Fall den eigenen Strom für das Elektrofahrzeug erzeugen. Und nicht nur im Kleinen bringt das ganzheitliche System Vorteile: Unternehmen vernetzen sich und arbeiten branchenübergreifend zusammen. Wissenschaft und Wirtschaft forschen gemeinsam und inspirieren sich gegenseitig. Und auch die politischen Strategien werden nicht nur für Teilbereiche entwickelt, sondern greifen ineinander, etwa die Wasserstoff Roadmap, die Energieversorgungsstrategie und die neue Carbon Management Strategie. Die Energiewelt von morgen wird eine Welt der Kooperation sein. Die Strategien und Förderungen des Landes zahlen schon heute darauf ein.

Innovationen vor Ort erproben

All die Vernetzungsaktivitäten und Kooperationen der Energiewelt von morgen bauen auf einer gemeinsamen Grundlage auf: der Energieforschung von heute. Durch die Energieforschung an zahlreichen nordrhein-westfälischen Hochschulen, Forschungseinrichtungen und forschenden Unternehmen werden innovative Lösungen für komplexe Aufgaben gefunden und in realen Anwendungen vor Ort erprobt. Die (anwendungsnahe) Energieforschung ist also kein Selbstzweck. Vielmehr ist sie die Schlüsselkompetenz, die es ermöglicht, Technologien und Systeme so weiterzuentwickeln, dass Energiewende und Klimaschutz zu einem Erfolg werden.

Wirtschaftlichen Mehrwert erzeugen

Ganz grundsätzlich ist die Energieforschung damit – egal wo sie stattfindet – ein „Möglich-Macher“ für Klimaschutz. Wenn Energieforschung aber nicht nur irgendwo stattfindet, sondern hier in Nordrhein-Westfalen, dann generiert sie außerdem einen wirtschaftlichen Mehrwert für das Land. Denn dort, wo Forschung und Entwicklung erfolgreich sind und der Transfer in die Anwendung stattfindet, entwickeln sich Markt- und Exportchancen, Wertschöpfung und Arbeitsplätze. Allein durch den Aufbau einer Wasserstoffwirtschaft sind bis zu 130.000 neue Arbeitsplätze möglich (siehe Wasserstoffstudie NRW).

Sowohl für den wissenschaftlichen als auch für den wirtschaftlichen Aspekt der Energieforschung bietet Nordrhein-Westfalen beste Voraussetzungen: Der heutige Standortvorteil ist die große Zahl der Forschungsstandorte und Wirtschaftsunternehmen, die hier beheimatet sind. Ihre Vielfalt und die damit einhergehenden einfachen Kooperationsmöglichkeiten machen die Stärke Nordrhein-Westfalens aus. Diese Stärke wollen wir noch weiter ausbauen. Und nutzen: für die Energiewende, für die Wertschöpfung vor Ort und dafür, der modernste und klimafreundlichste Standort Deutschlands zu werden.

Neuer Partner für Nordrhein-Westfalen

Die Energieforschung in Nordrhein-Westfalen schafft heute die Grundlagen dafür, dass unser Standort auch morgen noch stark und leistungsfähig ist. Um die Forschungsergebnisse schnell in die Umsetzung zu bringen, bekommt die Energieforschung des Landes ab 2022 mit der neuen Landesgesellschaft für Energie und Klimaschutz, der NRW.Energy4Climate, nun eine flexible und schlagkräftige Unterstützung.

Mit der NRW.Energy4Climate stellt die Landesregierung den Akteurinnen und Akteuren des Landes – von der Energieforschung bis hin zur Umsetzung vor Ort – dauerhaft einen verlässlichen Partner zur Seite. Die Landesgesellschaft wird informieren, begleiten und an den richtigen Stellen zusammenführen – und nicht zuletzt die für Forschung und Forschungstransfer, aber auch die für die Demonstration und Umsetzung notwendigen Mittel von EU und Bund nach Nordrhein-Westfalen holen, damit diese hier zielgerichtet eingesetzt werden können. Sie ist die neue „Möglich-Macherin“ der Erreichung der Klimaziele.

Dauerhafter und verlässlicher Partner für Akteurinnen und Akteure in NRW sein

Mit Flexibilität auf neue Herausforderungen und Themen reagieren

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Die neue Landesgesellschaft NRW.Energy4Climate setzt sich für eine verstärkte Vernetzung der vielfältigen Forschungs- und Akteurslandschaft in Nordrhein-Westfalen ein, um Synergieeffekte zu heben und deren Potential voll auszuschöpfen.

NRW.Energy4Climate – Landesgesellschaft für Energie und Klimaschutz

Das Klima schützen und gleichzeitig ein erfolgreicher, moderner Wirtschaftsstandort sein – das gelingt nur mit vereinten Kräften. In der neuen Landesgesellschaft NRW.Energy4Climate werden deshalb alle Kräfte und Aktivitäten rund um Energie und Klimaschutz gebündelt. Als zentrale Ansprechpartnerin für diese Themen wird die Landesgesellschaft die Transformation des Standorts Nordrhein-Westfalen in Richtung „Klimaneutralität 2045“ vorantreiben.

Umsetzung und Investitionen vorantreiben

Investitionen anzureizen und Umsetzungs- und Innovationsprojekte zu initiieren beziehungsweise zu unterstützen sind wesentliche Kernaufgaben der Landesgesellschaft. Dafür knüpft NRW.Energy4Climate Kontakte mit allen Akteurinnen und Akteuren der Energiewende: mit Kommunen, mit Industrie, mit mittelständischen und kleinen Unternehmen, mit dem Handwerk, mit Start-ups und mit Wissenschaft und Forschung. Durch die so entstehende Beteiligungs- und Vernetzungsstruktur kann die Landesgesellschaft gezielt Kontakte zwischen den Akteurinnen und Akteuren herstellen und innovative Erkenntnisse und Lösungen zwischen unterschiedlichen Branchen vermitteln. Dadurch können nicht nur neue Partnerschaften für ambitionierte Projekte entstehen, sondern es steigert sich insgesamt das Tempo für Innovation und Umsetzung.

Zur Finanzierung von Innovations- und Umsetzungsprojekten stehen durch die Bundesregierung und die Europäische Union milliardenschwere Förderprogramme zur Verfügung. Solche Mittel verstärkt nach Nordrhein-Westfalen zu holen, liegt ebenfalls im Fokus von NRW.Energy4Climate. Wichtige Aufgabenfelder sind es deshalb auch, Akteurinnen und Akteure zu aktivieren und gezielt zu Förderprogrammen zu informieren.

Nordrhein-westfälische Interessen vertreten

Durch die Nähe zur Landesregierung kann NRW.Energy4Climate aber genauso in die andere Richtung agieren: So können zum Beispiel Wünsche aus Nordrhein-Westfalen an zukünftige Förderprogramme national und international wahrnehmbar platziert werden. Und auch Kontakte und Gesprächsrunden mit Vertreterinnen und Vertretern des Bundes und der Europäischen Union können auf schnellem Weg organisiert werden. Effektiv und flexibel agieren Mit dieser Ausrichtung kann NRW.Energy4Climate insgesamt auf vielen Ebenen effektiv und nachhaltig agieren. Um zudem auf die Dynamik der Energie- und Klimapolitik reagieren zu können, sind Flexibilität und Gestaltungsspielraum explizit in den Rahmenbedingungen für die Landesgesellschaft verankert.

zur NRW.Energy4Climate-Website

Auftrag und Verpflichtung zugleich: NRW.Energy4Climate tritt an, Deutschlands bevölkerungsreichstes Bundesland zum modernsten und klimafreundlichsten Industriestandort Europas weiterzuentwickeln. Dieser Wandel ist längst in vollem Gange – die Energieforschung zeigt dies eindrücklich. Die Transformation jetzt weiter zu beschleunigen, sodass wir zum Vorreiter werden und die Klimaneutralität in der ersten Hälfte des Jahrhunderts erreichen, ist Auftrag und Verpflichtung zugleich. Der Name der Landesgesellschaft versteht sich deshalb auch in einer zweiten Lesart: Mit aller Energie für den Klimaschutz!

© MWIDE NRW/M. Thürbach
Ulf C. Reichardt ist Vorsitzender der Geschäftsführung der NRW.Energy4Climate GmbH, die im Jahr 2022 mit ihren Dienstleistungen für Nordrhein-Westfalen startet.

Voraussetzungen für den Erfolg von Energiewende und Klimaschutz schaffen

Wegweiser in einer komplexen und dynamischen Förderlandschaft sein

Förderung – für und mit Nordrhein-Westfalen

Der Wandel hin zu unserer zukünftigen Energieversorgung basiert auf den Erfolgen und Erkenntnissen unserer Energieforschung. Die Potenziale in Nordrhein-Westfalen hierfür sind groß – und die vielfältigen Fördermöglichkeiten tragen dazu bei.

In den Wettbewerben und Aufrufen des Europäischen Fonds für regionale Entwicklung (EFRE) wirken Landes- und EU-Förderung zusammen. Ergänzungen dazu sind die Programme REACT-EU, ERA-NET, Clean Energy Transition Partnership (CETP) und zukünftig auch der Just Transition Fund (JTF). Auch Bund und Land arbeiten bei der Förderung eng zusammen, zum Beispiel bei den „Reallaboren der Energiewende“ des Bundesministeriums für Wirtschaft und Energie (BMWi), die das Land mit vorgeschalteten Machbarkeitsstudien unterstützt. Weitere Bundesprogramme wie „Dekarbonisierung in der Industrie“ des Bundesministeriums für Umwelt, Naturschutz und nukleare Sicherheit (BMU) und das „7. Energieforschungsprogramm“ des BMWi fügen sich hier nahtlos an. Ebenso wie die Mittel für den Strukturwandel im Rheinischen Revier, die über einen Bundes- und einen Landesarm vergeben werden. Ein großes Landesprogramm ist „progres.nrw – Innovation“, über das industrielle Forschungs- und Entwicklungsprojekte – teils mit EFRE-Kofinanzierung – gefördert werden. Und über reine Landesmittel fördert „progres.nrw – Research“ die Verwertung von Ergebnissen aus Master- und Doktorarbeiten.

In der Vielfalt zeigt sich aber auch die Komplexität. Nicht selten ist es eine Herausforderung, den richtigen Förderzugang für das eigene Projekt zu identifizieren. Hier steht das Landesministerium für Wirtschaft, Innovation, Digitalisierung und Energie (MWIDE) als Wegweiser zur Seite.

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Die Landesregierung unterstützt die nordrhein-westfälische Energieforschung mit einer Vielzahl von Maßnahmen und Förderrichtlinien – und bietet zudem Orientierungshilfe bei der Auswahl der passenden Programme.

Landesförderung im Fokus

Wie wird aus einer Idee eine Innovation? Wie ermöglicht das Land Forschungsprojekte? Und wie genau funktioniert eigentlich die Landesförderung? Antworten liefert der intensive Austausch zwischen Förderinteressenten und dem MWIDE – hier in einem beispielhaften Gespräch.

Förderinteressent/in: Welche Fördermöglichkeiten gibt es für mein Projekt?

MWIDE: Zuerst verschaffen wir uns gemeinsam einen Überblick über die Förderoptionen und deren Zielsetzungen. Zum Beispiel zielt die Landesförderung über die Richtlinie „progres.nrw – Innovation“ insbesondere auf industrielle Forschung und experimentelle Entwicklung im Bereich Energie und Klimaschutz ab. Im Ministerium haben wir aber immer auch einen Blick auf die möglichen Förderungen auf EU- und Bundesebene. In jedem Fall sollten Sie passende Kooperationspartner wie Hochschulen, Forschungseinrichtungen oder Unternehmen gewinnen, denn Kooperationsprojekte werden bevorzugt gefördert.

Förderinteressent/in: Wie geht nach dem ersten Überblick weiter?

MWIDE: Der nächste Schritt ist die Projektvorstellung: Sie und Ihre Kooperationspartner präsentieren eine Skizze Ihrer Projektidee vor den zuständigen Stellen des Ministeriums und dem Projektträger PtJ/ETN, der potenzielle Fördervorhaben inhaltlich und betriebswissenschaftlich prüft. In dem Gespräch werden auch fachliche und förderrechtliche Aspekte besprochen, sodass wir Ihnen im Anschluss an die Projektvorstellung eine erste Einschätzung geben können, ob Projektziel und Landesinteresse übereinstimmen.

Förderinteressent/in: Ist die Förderung sicher, wenn die Projektvorstellung erfolgreich war?

MWIDE: Zunächst muss die Projektskizze geschärft werden. Das bedeutet, dass der Innovationscharakter des Projekts herausgearbeitet, die Vereinbarkeit von Projektziel und Landeszielen definiert, Arbeitspakete bestimmt und ein Finanzplan aufgestellt wird. Dieses Nachschärfen ist ein Prozess über mehrere Wochen, der vor allem durch den Projektträger unterstützt wird. Liegen danach die positiven Einschätzungen von Projektträger und Ministerium vor, geht das Projekt in die Entscheidungsrunde.

Förderinteressent/in: Was passiert, wenn kurz vor der Entscheidungsrunde ein Kooperationspartner abspringt?

MWIDE: Zu unerwarteten Entwicklungen kann es insbesondere bei längeren Prozessen immer kommen. Das Wichtigste ist es dann, dass wir im direkten Austausch bleiben. In dem konkreten Fall sollte rasch ein neuer Partner gefunden werden, damit die grundlegende Struktur des Projekts erhalten bleibt. In der Regel kann dann auch der Zeitplan weiterhin eingehalten werden.

Förderinteressent/in: Wurde ich vergessen, wenn ich einige Wochen lang nichts zu meinem Projekt gehört habe?

MWIDE: Unsere Rücksprachen innerhalb des Ministeriums und mit dem Projektträger sind sehr sorgfältig und nehmen deshalb eine gewisse Zeit in Anspruch. So kann es passieren, dass Sie einen neuen Sachstand später bekommen, als Sie ihn erwartet hätten. Sicher ist aber: Wir informieren Sie immer über aktuelle Entwicklungen und haben auch den anvisierten Zeitplan Ihres Projekts im Blick.

Förderinteressent/in: Was genau wird in der Entscheidungsrunde beschlossen? Und was bedeutet das für mein Projekt?

MWIDE: Die Entscheidungsrunde findet unter Beteiligung der zuständigen Stellen im Ministerium und des Projektträgers PtJ/ETN statt. Diese Jury legt unter fachlichen und förderrechtlichen Kriterien fest, ob das eingereichte Projekt gefördert werden soll. Positiv bewertete Projekte werden aufgefordert, einen Förderantrag zu stellen. Im Rahmen dieser Antragstellung stehen Sie im Dialog mit dem Projektträger, um die noch ausstehenden formalen Details zu klären. Mit einer positiven Bewertung aus der Entscheidungsrunde sind Sie also auf dem besten Weg, eine Förderbewilligung für Ihr Projekt zu erhalten. Aber auch eine negative Bewertung muss noch nicht das Ende bedeuten, gegebenenfalls können wir Hilfestellung für mögliche weitere Schritte anbieten.

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