Quartiersplanungsystem mit Vorbild-Charakter

Der traditionelle Ansatz, die Energieversorgung und -steuerung für jedes Gebäude individuell zu betrachten, ist heute noch überwiegend die Regel. Dies gilt insbesondere für Bestandsbauten, deren Infrastrukturen aus den vergangenen Jahrzehnten stammen. Diese klassischen Strukturen erschweren einen schnellen Ausbau der erneuerbaren Energien und das Zusammenwirken unterschiedlicher Technologien. Darüber hinaus fehlt es oftmals an Daten, Methoden und Softwarelösungen.

Intelligente Lösungen für komplexe Problemstellungen

Lösungen in Form eines Ökosystems aus Informations- und Kommunikationstechnologien erarbeitet das Projekt „ODH@Bochum-Weitmar“ von Oktober 2019 bis September 2022. Dieses Ökosystem wird über ein Quartiersplanungssystem, einen digitalen Marktplatz und ein selbstlernendes Energiemanagementsystem entwickelt. Mit dem Quartierplanungssystem begegnet man der Komplexität der modernen Energiewelt: Maßnahmen zur Energieeffizienz müssen mit unterschiedlichen erneuerbaren Energiequellen kombiniert und durch Mobilitätskonzepte ergänzt werden. Über den digitalen Marktplatz können Anwohner untereinander besser vernetzt und Produkte und Dienstleistungen wie beispielsweise Mobilitätslösungen, Co-Working- Spaces, Strom- und Wärmebezug sowie Reparatur- oder Lieferservices angeboten werden. Solche Leistungen können von externen Anbietern, lokalen Gewerbetreibenden oder von den Bewohnern selbst kommen. Das Energiemanagementsystem kommuniziert unter anderem mit dem digitalen Marktplatz und kann dort zum Beispiel Energieprodukte anbieten oder nachfragen. Für solche Aktivitäten sind die Vorhersage von Verbrauchs- und Einspeisezeiten sowie die Optimierung der Energiesysteme wichtige Merkmale – auch um das Quartier möglichst kostengünstig versorgen zu können. Die Vorhersage- und Optimierungsmodelle laufen datengetrieben und automatisiert ab, sodass sich das Energiemanagementsystem, basierend auf künstlicher Intelligenz und maschinellem Lernen, weiterentwickelt.

Gewinn für das ganze Land

Erprobt und erforscht wird das Ökosystem des Open District Hubs in dem Quartier Bochum-Weitmar. Es ist geprägt durch Mehrfamilienhäuser aus den 50er und 60er Jahren, die für die damalige Zeit typisch und heute gegebenenfalls sanierungsbedürftig sind. Dabei zeigt das Ökosystem doppelte Wirkung: erstens wird in den Gebäuden Energie eingespart und zweitens werden weitere, für Energieversorgung und -verbrauch relevante Sektoren wie Verkehr, Versorgung vor Ort oder Anonymität positiv beeinflusst. Da sich ähnliche Quartiere wie in Bochum-Weitmar in ganz Deutschland finden, lassen sich die durch den Open District Hub erzielten Erkenntnisse und Methoden weiträumig übertragen.

Was im Bereich urbaner Energielösungen sonst noch in Nordrhein-Westfalen passiert, zeigt der Energieforschungsbericht 2020.

© folgt

Förderpolitischer Rahmen

Als Antwort auf veränderte Strukturen und Anforderungen im Ruhrgebiet wurde im Juni 2017 der Grundstein für die Ruhr-Konferenz gelegt. Gemeinsam mit der Politik, der Wirtschaft, Institutionen und Verbänden sowie den Bürgerinnen und Bürgern entstand in diesem Rahmen eine Vision für die Zukunft des Ruhrgebiets. Die entwickelten Projekte betreffen die unterschiedlichsten Lebensbereichen - von Wirtschaft und Wissenschaft über Kultur und Gesellschaft bis hin zu Tourismus und Sport. Eines dieser Projekte ist der Open District Hub Bochum-Weitmar.

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Symbolhafte Darstellung eines intelligent vernetzten Quartiers
©paisan1leo - stock.adobe.com

Projektinfos und -partner

Informationen, Hintergründe und Einblicke in die Umsetzung - auf der Website des ODH@Bochum-​Weitmar-Projektpartners Fraunhofer-Institut für Angewandte Informationstechnik FIT finden sich zahlreiche Angebote und Ansprechpartner.

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